Bei unseren Führungen werden wir oft nach Tipps für den Hausgarten gefragt. Doch vieles aus der regenerativen Landwirtschaft – wie vielfältige Gründüngungen mit Flächenrotte statt Kompost – lässt sich zu Hause nicht so einfach umsetzen. Außerdem sind viele überrascht, wenn wir die Nachteile von Kompost ansprechen.
Also: kein Kompost mehr?
Nicht unbedingt. Entscheidend ist ein anderer Blick auf den Boden.
Gesunder Boden entsteht nicht durch „Ausruhen“, sondern durch lebendige Prozesse. Pflanzen und Boden bilden eine Einheit: Wo Wurzeln wachsen, entsteht Bodenleben – und nur ein aktiver Boden bringt gesunde Pflanzen hervor.
Im Garten heißt das: Vielfalt statt Monokultur. Die vielfältigen Mikroben, die die Wurzeln umgeben, machen den Boden vital und resilient. Im Gartenbau wird Vielfalt durch Untersaaten, Zwischenfrüchte und Wegbegrünung erreicht. Für zu Hause eignen sich Mischbeete mit verschiedenen Pflanzenfamilien nebeneinander, auch einkeimblättrige Arten wie Zwiebeln oder Knoblauch. Und ganz wichtig: den Boden nie unbedeckt lassen. Mulch schützt das Bodenleben und hilft auch gegen Unkräuter.
Die Nährstoffe liefert zu einem großen Teil das Bodenleben selbst. Mikroorganismen setzen Nährstoffe frei, während Pflanzen sie über ihre Wurzelexsudate „füttern“. Zu viel Dünger kann dieses Gleichgewicht eher stören – es kann zu Versalzung oder Stickstoffauswaschung kommen. Diese Effekte lassen sich durch Pflanzenkohle oder andere Speicher- und Pufferstoffe (Lehm, Gesteinsmehl) abmildern.
Und der Kompost?
Im Gartenbau – besonders ohne Tierhaltung – hat man relativ wenig Abfälle, die für die eigene Kompostherstellung zur Verfügung stehen. Zugekaufter Kompost hat oft zweifelhafte Qualität, enthält viel Plastik und wird energieintensiv transportiert. Im Hausgarten fallen zwar organische Abfälle an – doch klassische Kompostierung verursacht große Kohlenstoffverluste. Hier bieten anaerobe Verfahren – wie z. B. Bokashi – eine spannende Alternative.
So können sowohl die Landwirtschaft als auch der Kleingarten Teil der Lösung werden – und aktiv zum Bodenaufbau und Klimaschutz beitragen.
